Der Kiebitz - Vogel des Jahres 2024

Bild: Ralph Sturm/LBV
Bild: Ralph Sturm/LBV

Der Wind zischt 30 Meter über dem Boden um seine Flügel. Er zieht schnell flatternd Kreise, ändert spontan die Richtung und stürzt sich plötzlich wie aus dem Nichts in einen waghalsigen Sturzflug Richtung Boden, nur um im letzten Moment die Flügel aufzustellen und wieder gen Himmel zu schießen.

Was im ersten Moment klingt wie ein Vogel im Ausnahmezustand, ist in Wirklichkeit der alljährliche Versuch eines Kiebitzmännchens durch auffällige Flugmanöver eine paarungswillige Dame von seinen Qualitäten zu überzeugen. Der 30 cm große Vogel aus der Familie der Regenpfeifer hat aber noch mehr in Petto als spektakuläre Flugkünste.

 

Um das umworbene Weibchen für sich zu gewinnen, baut das Kiebitzmännchen zudem mehrere Nistmulden, um sich nicht nur als akrobatischen Draufgänger, sondern auch als fürsorglichen – im wahrsten Sinne des Wortes – Nestbauer zu präsentieren. Sind die Mühen von Erfolg gekrönt und das Weibchen paarungsbereit, sucht es sich die beste Mulde aus und legt 3-4 gut getarnte Eier hinein. Die Jungen schlüpfen 26-29 Tage später und verlassen bereits kurz danach das Nest. Die Elterntiere haben zwar ein wachsames Auge auf die Kleinen und hudern sie auch bei Kälte, für die Nahrungsbeschaffung sind die Jungen aber schon selbst verantwortlich. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Insekten, Spinnen und andere Wirbellose, Erwachsene Kiebitze essen zudem auch Sämereien und Körner.

 

Bilder: links und Mitte: naturgucker.de/Jürgen Podgorski, rechts: naturgucker.de/Dieter Seibel

Bild: NABU/CEWE/Thomas Hempelmann
Bild: NABU/CEWE/Thomas Hempelmann

Angepasst auf die Hauptnahrungsquelle haben Kiebitze lange und spitz zulaufende Schnäbel, die sich hervorragend zur Jagd auf Insekten am Boden eignen. Optisch fällt der Kiebitz besonders durch metallisch grün und violett glänzendes Gefieder sowie die schwarze Federholle auf dem Kopf auf. Obwohl beide Geschlechter Federhollen und auch eine ähnliche Gefiederfärbung haben, gibt es doch einen erkennbaren Geschlechtsdimorphismus. Weibchen haben eine kürzere Federholle und das Brustband ist mit hellen Federn durchsetzt. 

 

Wenn das Jahr fortgeschritten ist und es kälter wird, dann zieht der Kiebitz hin zu günstigeren Bedingungen, jedoch nur Kurzstrecken zu unseren westeuropäischen Nachbarn. In milden Gegenden in Deutschland bleibt er auch über Winter zu Gast oder wandert aus kälteren Regionen ein.

 

Aufgrund ihrer Lebensweise bevorzugen Kiebitze flache Landschaften mit kurzer Vegetation – also keiner Möglichkeit für Fressfeinde sich zu verstecken und anzupirschen. Prädestiniert sind daher seit jeder Feuchtwiesen und Moore als natürliche Lebensräume, wobei der Kiebitz mittlerweile aus Mangel an diesen auch auf Äckern und Wiesen brütet. Hierin liegt auch der Grund für die zunehmende Gefährdung des Kiebitz'. Die Entwässerung von feuchten Biotopen und intensive Landwirtschaft nehmen dem Kiebitz Bruthabitate und damit die Lebensgrundlage. Daher liegt der Hauptfokus der Erhaltungsmaßnahmen auf dem Schaffen von geeigneten Biotopen, z.B. durch eine NABU-Moorpatenschaft (https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/patenschaften/moor/index.html), und dem Schutz von erfolgreichen Gelegen.

 

Möglichkeiten dem Kiebitz zu helfen findet ihr in der Infobox auf der „Vogel des Jahres 2024“-Seite des NABU unter folgendem Link: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2024/index.html

 

Text: Chris Hoffmann